Selbständigkeit und Depression РEine Bestandsaufnahme

Zu m√ľde, um zu funktionieren

Schule ist mir nie besonders schwergefallen, aber im letzten Jahr meiner mittleren Reife hat mich dann eine mysteri√∂se M√ľdigkeit gepackt.
Damals wohnte mein erster Freund bei mir und er versuchte Verst√§ndnis f√ľr mich zu haben, schlie√ülich war ich bereits um 5 Uhr wach und erst gegen 15 Uhr wieder zuhause, trotzdem merkte man sein Unmut dar√ľber, dass er mich nur noch als Dornr√∂sschen kannte.
Manchmal zwang ich mich, wach zu bleiben, doch ich merkte, dass ich daf√ľr jeden F√ľnkchen Energie brauchte. Dieser Mittagsschlaf, der √ľber 4 Stunden ging, war lebensnotwendig, denn zu dem Zeitpunkt fing ich an, abends als Coverdesignerin zu arbeiten.
Diese M√ľdigkeit kam und ging, wie es ihr beliebte, im Nachhinein w√ľnschte ich mir, ich w√§re aufmerksamer Gewesen und h√§tte diesen Zyklus protokolliert, um zu sehen, wie lange so eine Phase anhielt.
Manchmal redete ich mit meiner √Ąrztin √ľber meine M√ľdigkeit und sie verschrieb mir mehr Bewegung, zu dem Zeitpunkt hatte ich mit dem Abitur angefangen und steckte Nebenbei in der Selbst√§ndigkeit. Wenn ich nicht schlief war ich entweder in der Schule oder am Rechner. Da erschien er mir logisch, meine M√ľdigkeit auf die mangelnde Bewegung zu schieben ‚Äď schlie√ülich hatte ich auch 20 Kilo zugelegt, seitdem ich aus der Realschule drau√üen war.

Nach dem Abitur st√ľrzte ich mich in die volle Selbst√§ndigkeit ‚Äď all or nothing! Nach nur wenigen Wochen war diese andauernde Tr√§gheit so gro√ü geworden, dass ich kaum noch arbeiten konnte. Ich schlief 6 Stunden am Tag, um 4 zu arbeiten und dann todm√ľde wieder ins Bett zu fallen. Morgens ging ich joggen, um den K√∂rper in Bewegung zu bringe ‚Äď danach war ich immer so fertig, dass ich ein kleines Nickerchen zwischen Joggen und Arbeit machen musste.
Ich machte mir ernsthafte Sorgen, da ich mein Arbeitspensum kaum schaffte. Das Schlimmste war aber meine Vergesslichkeit. Mir entfielen Dinge, direkt nachdem sie mir gesagt wurden. Ich verga√ü, andauernd den Herd auszumachen oder wichtige R√ľckrufe zu t√§tigen.
Bei dem n√§chsten Besuch bei meiner √Ąrztin teilte sie mir mit, dass ich verwirrt wirke, was wohl daran lag, dass ich regelrechte Wortfindungsst√∂rungen hatte.
Langsam viel auch meinen Autoren auf, dass etwas nicht stimmte, ich konnte die wenigsten Sachen bei mir behalten, meistens versuchte ich, es mir aufzuschreiben aber manchmal verga√ü ich sogar das. Es f√ľhlte sich an, als w√ľrde mich mein eigens Gehirn gefangen halten und jede Sekunde tausende von Informationen schreddern.
Meine √Ąrztin verordnete einige Untersuchungen, darunter auch mein Blutdruck und ein Blutbild. Der Blutdruck war etwas zu niedrig, obwohl ich ein hohes √úbergewicht hatte, das Blutbild ergab: Schilddr√ľsenunterfunktion und ein leichter Vitamin D Mangel. Sie verschrieb mir ein Schilddr√ľsen Medikament, ein Vitamin D Pr√§parat und eine knackige Br√§une.
Gut! Also nicht ‚Äěgut‚Äú aber zumindest ein Hinweis darauf, was mit mir nicht stimmen k√∂nnte.
Mit den Medikamenten ging es mir anf√§nglich etwas besser, wobei ich es im Nachhinein eher auf ein Placebo-Effekt schieben w√ľrde.
Wenig sp√§ter sa√ü ich n√§mlich wieder bei ihr und klagte das alte Leid. An dem Tag ‚Äď ich erinnere mich genau ‚Äď hatte sie eine Praktikantin bei sich. Sie setzten mich hin und stellten mir verschiedene Fragen: Ob ich aktuell gerne ausgehe, ob ich Lust auf Freunde h√§tte, ob ich mich heftigen Emotionssch√ľben zu k√§mpfen h√§tte usw.

Eine magische Pille

Sie verschrieb mir Citalopram – ein Antidepressivum. Das Medikament ist ein sogenannter Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, in anderen Worten: Es erh√∂ht die Konzentration von Serotonin im Gehirn. Serotonin ist ein Hormon, dass f√ľr unsere Stimmung und Antrieb wichtig ist.
Joa, also Depression? Aber ich f√ľhlte mich nicht traurig, ich hatten auch keine negativen Gedankenspiralen und mein Selbstbild hatte sich jetzt auch nicht drastisch ver√§ndert. Um ehrlich zu sein war ich nur extrem m√ľde und vergesslich.

Drei Tage nachdem ich angefangen hatte, dass Medikament zu nehmen, f√ľhlte ich mich, als k√∂nnte ich B√§ume ausrei√üen.
Die Nebenwirkungen waren f√ľr mich √ľberschaubar: Appetitlosigkeit ‚Äď was als schwer √ľbergewichtige Frau nicht so schlecht ist, fehlende Libido ‚Äď wer braucht schon Sex, wenn er arbeiten kann? Und manchmal hatte ich Herzrasen ‚Äď auch nicht so schlimm, mein Blutdruck ist so wie so etwas niedrig.
In den ersten Monaten nach der Einnahme des Medikaments wurde mir erst bewusst, welche anderen Symptome die Depression still und heimlich in mein Leben gebracht hatte. Ich war nicht nur m√ľde, sondern komplett antisozial geworden, meine Begeisterung f√ľr Projekte hielt sich in Grenzen und meine Sprunghaftigkeit in Bezug auf Entscheidungen war rekordverd√§chtig.

In dem kommenden Jahr nahm ich brav die Tabletten und zog von zuhause aus. Ich löste mich vom Arbeitsamt und machte mich komplett selbständig und schaffte mir eine Katze an.
Endlich ging es wieder bergauf und ich freute mich auf geplante Projekte. Ich wollte mein Geschäft ausbauen, bloggen, bis mir die Hände abfallen, Videos drehen und endlich diesen verdammten Roman schreiben.

H√§tte ich zu dem Zeitpunkt gewusst, was mich noch erwartete, h√§tte ich mich in meinem Schrank eingeschlossen und w√§re nach Narnia gefl√ľchtet.

Hello darkness my old friend

Wenige Monate nachdem ich eingezogen war, kam die M√ľdigkeit zur√ľck, nicht so hart und auch nicht so drastisch wie fr√ľher, aber langsam schlich sie sich wieder in mein Alltag und machte es sich gem√ľtlich.
Ich habe so viele Videos und Beitr√§ge √ľber das Thema Depression gesehen und gelesen, dass ich glaubte, niemals von ihr √ľberrascht zu werden.
Der Ausdruck ‚ÄěNiemand kann eine Depression verstehen, wenn er sie noch nie hatte‚Äú, kam mir immer so redundant und arrogant vor, als w√§ren alle Depressiven in diesem Club, indem sie sich in ihrem Leid suhlen.
Jetzt sitze ich hier und muss meine Meinung revidieren. Weil ich als gesunder Mensch nicht in der Lage war, zu begreifen, was eine Depression wirklich bedeutet.
Ich lernte auf die harte Tour, dass es neben Gef√ľhlen und Emotionen auch noch einen Daseinszustand gab, den ich vorher nie bemerkt hatte.
Ich möchte behaupten, dass ich fast mein Leben lang auf einer positiven Seite dieses Daseinszustandes war, während der depressiven Phasen wendete sich mein Zustand um 180 Grad.
Ich hatte kaum Energie, um aus dem Bett zu kommen, ich habe fast alles vergessen, konnte mich nicht konzentrieren ‚Äď an einem Punkt habe ich eine E-Mail mit dem Namen einer Kundin anstelle von meinem unterschrieben.
Witzigerweise war mir meine Arbeit und mein Wohlbefinden egal. Du kannst etwas Lieben oder etwas Hassen aber wenn dir etwas egal wird, hast du es verloren.
Meine Gef√ľhle waren wie weggesperrt, unter einer kleinen Glaskuppel. Das einzige Gef√ľhl, mit dem ich mich fast jeden Tag auseinandersetzen musste, war blanke Wut.
Als Kind hatte ich manchmal Probleme damit, meine Wut zu kanalisieren. Mich haben Dinge in solch einem Ma√ü w√ľtend gemacht, dass sie in keinem Verh√§ltnis zum Ausl√∂ser standen. Und genau das passiert mir jetzt auch.
Der PC wollte nicht hochfahren, zack!, da hatte ich bereits den Schreibtisch umgeworfen ‚Äď ja, genauso wie das ber√ľhmte Meme.
Erschreckend war, wie wenig Selbstreflexion ich besaß. Ich war mir manchmal gar nicht gewusst, dass ich mich in einem anderen Daseinszustand befand, einfach weil man den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen kann. Dort drin zu stecken bedeutet auch, die Knoten in meinem Kopf nicht lösen zu können, weil ICH ja das Gewirr war. Etwas gegen die Depression zu tun, war genauso schwer, wie ein Motor mit kaputtem Werkzeug zu reparieren.

Kontopfändung! Das ist immer was Schönes

Es gab drei Tiefpunkte, die mir langsam bewusst machten, dass ich etwas tun musste.
Der Erste war meine Gesundheit, die von allen Seiten Hiebe bekam. Ich hatte in meinem Leben vielleicht 6x die Grippe. In den letzten Monaten bin ich nur noch kränkelnd und hustend durch die Gegend gewandert, auch meine Migräne, die ich davor gut im Griff hatte, kam mich alle zwei Wochen besuchen. Ich habe in den letzten Monaten um die 30 Kilo zugenommen und wiege aktuell alarmierende 145 Kilo.

Der zweite Tiefpunkt war der Tod meiner Gro√ümutter. Obwohl ich sie nicht gut kannte, h√§tte ich mir von meiner Psyche auf die Nachricht ihres Todes eine bessere Reaktion gew√ľnscht, als absolute Gleichg√ľltigkeit. Und das schloss auch die Beerdigung ein, auf die ich nicht gegangen bin, weil es mir a) egal war und b) ich zu dem Zeitpunkt niemanden sehen konnte ‚Äď schon gar nicht eine Trauergemeinschaft. Zum Gl√ľck ist mein Vater ein Mensch, der nicht viel auf gesellschaftliche Konventionen gibt und mir am Telefon einfach offen und ehrlich gesagt hat, dass es okay ist, wenn ich nicht komme. Vielleicht war er auch ganz froh dar√ľber, dass ich nicht da war, schlie√ülich haben wir die Oma auch zu Lebzeiten nicht oft gesehen und es w√§re heuchlerisch gewesen, da zu sein. Jetzt, wo ich etwas Zug√§nglicher bin, macht mich meine Entscheidung sehr traurig.

Der dritte Tiefpunkt war die Pf√§ndung meines Kontos, die mich Mitte des Jahres erwartete. Wer andauernd krank ist und es den Rest der Zeit nicht aus dem Bett schafft, der geht unter. Nach wenigen Monaten hatte, und habe ich immer noch, hohe Schulden. Vor alledem die Krankenkasse und das Finanzamt klopften jede Woche an der T√ľr.
Leider bin ich zu dick, um irgendeine bezahlbare Versicherung zu bekommen, die meine Arbeitskraft absichert. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich im B√ľro meines Finanzberaters sa√ü und er etwas betreten sagte, dass mich fast alle Versicherrungen abgewiesen h√§tten. Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch nie eine OP oder einen l√§ngeren Aufenthalt im Krankenhaus, ich rauchte nicht, ich hatte keine chronischen Krankheiten ‚Äď bis auf die Migr√§ne, hatte einen gesunden Blutdruck und ph√§nomenale Blutwerte. Dennoch war ich zu fett und das bedeutet im wahrsten Sinne des Wortes: Mein Gewicht schloss mich von jeder vern√ľnftigen und bezahlbare Absicherung im Falle einer ernstzunehmenden Krankheit aus. So lob ich mir das!

Zum Gl√ľck g√∂nnte mir die Depression eine winzige Pause und ich schaffte es, meine Energiereserven zu mobilisieren und die Schulden so weit zu tilgen, dass ich nach 5 Wochen wieder Zugriff auf mein Konto hatte und meine Katze nicht von Almosen leben musste. Danach war die Batterie tot und ich schlief mehrere Tage durch.

Morgens zwang ich mich mit Musik dazu, durch den Raum zu tanzen, um genug Motivation zu finden, um die Mahnungen zu bearbeiten und dringende Aufträge zu erledigen.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits zahlreiche Kunden vergrault und bis heute lebe ich von einer Rechnung zur Nächsten.
An manchen Tagen packte mich ein Hochgef√ľhl, dass mich tausend Projekte planen lie√ü, die nach 2 Tagen meinem Unmut zum Opfer fielen. Zumindest sind das keine schlechten Ideen und ich k√∂nnte auf sie zur√ľckkommen, sobald es mir bessergeht.

Kein Happy End – aber daf√ľr ein Leben

W√§hre das ein Roman, m√ľsste jetzt nach dem Tiefpunkt, der Moment kommt, indem der Held sich zusammenrei√üt und eine noch nie dagewesene Kraft entdeckt, um das B√∂se zu besiegen. Aber die Realit√§t ist, dass ich diese Kraft noch nicht gefunden habe ‚Äď oder ich habe den tiefsten aller Tiefpunkte noch nicht erreicht, was mir Angst macht.

Eventuell ist das nicht die Hilfreichste aller Geschichten √ľber Depressionen. Ich pers√∂nlich musste in den letzten Wochen viel K√§mpfen, um mich wieder halbwegs normal zu f√ľhlen. Aktuell arbeite ich daran, das Verh√§ltnis zu meinen Autoren zu bessern, denn das ist einer der Dinge, die mir nach all diesen Jahren am meisten wehtut.
Ich selbst bin jemand, der viel und hart f√ľr seine Tr√§ume arbeiten musste und ich kann die Frustration meiner Autoren verstehen, wenn die Zusammenarbeit mit mir niederschmetternd ist.

‚ÄěB√ľcher sind Herzenssache‚Äú, ist das Motto von Herzgezeiten und obwohl das in aller Ehrlichkeit der Grund war, weswegen ich als Coverdesignerin angefangen habe, wei√ü ich, dass ich nach all dieser Zeit einige Kerben in Herzensprojekte geschlagen habe. Und das tut mir leid.

Es macht mir Angst mich mitzuteilen, nicht nur meinen Freunden sondern auch meinen Kunden gegen√ľber, weil ich selber nicht wei√ü, was in mir vorgeht und ich mich schlecht mitteilen kann. An manchen Tagen geht es mir gut und an manchen schlecht. Diese Ungewissheit macht es mit so schwer zu planen, zu arbeiten aber auch zu reden. Einer der Ratschl√§ge, die man immer und immer wieder bekommt, wenn es um mentale Gesundheit geht, ist, mit jemandem dar√ľber zu sprechen. Aber ich wei√ü nicht einmal mit wem und wor√ľber. Und wenn innerlich tats√§chlich der Sturm w√ľtet und einem √ľber den Kopf das Haus abrennt, kann man sich nur selbst helfen.

Bis heute habe ich keine Ursache und auch keine Heilung f√ľr meine Depression gefunden und ich lerne, nach Jahren, ganz langsam damit umzugehen. Selbst√§ndig zu sein bedeutet nicht nur f√ľr sich zu arbeiten, sondern auch komplett autark f√ľr sich zu sorgen. Und manchmal ist Selbstsorge einfach das Schwerste von allen.

Heute arbeite ich daran, mich zu finden und zusammenzuflicken. Ich muss ein Sicherheitsnetz schaffen, damit ich nicht wieder so tief falle. Ich versuche, mir mit meinem kaputten Gehirn zu helfen, und das ist schwer, aber nicht unmöglich.

9 Comments

  1. Laura 28. September 2018 um 22:47 Uhr - Antworten

    Man k√∂nnte es nicht besser beschreiben, wie sich eine Depression anf√ľhlt. Der Text, die Worte, der Klos in meinem Hals.. es war, als w√§ren es meine Worte gewesen.
    Ich wei√ü gerade selbst nicht, was ich sagen m√∂chte oder kann.. denn ich wei√ü ganz genau wie du dich f√ľhlst und wie viel einem ein paar Worte helfen k√∂nnen :/
    Mir hilft es immer nur mir vorzusagen: lass dich fallen, morgen wird ein besserer Tag. ūüôā

  2. Prinz Rupi 28. September 2018 um 23:08 Uhr - Antworten

    Total offen, ehrlich und nachvollziehbar beschrieben, liebe Cassy, und das Schlimmste an der Geschichte ist: Die Serotoninaufnahmehemmer haben leider nur eine zeitlich begrenzte Wirkung und f√ľhren zu Wassereinlagerungen, die wiederum das K√∂rpergewicht explodieren lassen.

    Geheimtip: Manchmal wirkt Haschisch wahre Wunder.

  3. Ilona Salz 30. September 2018 um 23:28 Uhr - Antworten

    Liebe Casandra, wie gut, dass du den Mut und die Kraft gefunden hast, dar√ľber zu reden. Ich verstehe dich gut, nicht nur, weil ich Psychologin von Beruf bin, sondern auch, weil ich selbst Tiefpunkte erlebt habe. Es gibt kein Patentrezept gegen Depressionen, tats√§chlich k√∂nnen sie so individuell verlaufen, wie auch wir Menschen verschieden sind. Doch die Angst, sich mitzuteilen, von der du sprichst, die zieht dich noch weiter nach unten, wenn du dich ihr unterwirfst. Deshalb ist deine Offenheit ein Schritt in die richtige Richtung. Die meisten Menschen werden das zu honorieren wissen und mit Verst√§ndnis darauf reagieren, die es nicht tun, auf die kannst du pfeifen. Ich w√ľnsche dir ganz viel Kraft.

  4. Vero KAa 18. Oktober 2018 um 18:01 Uhr - Antworten

    Liebe Casandra, da teilen wir das gleiche Thema. Ich selbst bin zweimal an dieser Krankheit erkrankt. 2001 + 2008. Daher wei√ü ich wie schwer der Weg zur√ľck ins Leben ist. Kennst du den kleinen Zug. Er f√§hrt den Berg hinauf und st√∂hnt, ich schaff es noch, ich schaff es noch, ich schaff es noch. Durch diese Krankheit bin ich 2008 zum Schreiben gekommen. Eigentlich wollte ich nie √ľber Depression schreiben, denn ich dachte wer m√∂chte es lesen. Aber ich werde es mit anderen Projekte in Angriff nehmen. Dieses Jahr bin 10 Jahre Habby-Autorin. Ich habe meine Leben total umgekrempelt. Setzte mich f√ľr soziale Projekte ein, geben Lesungen, halte Referate √ľber meine Fl√ľchtlingszeit. Auch mich hat das Leben sehr gepr√§gt. Bei mir ist es mein Humor, gemischt mit etwas Sarkamus was mich Leben l√§sst. Ich bin dazu nicht ein totaler Optimist. Leider kann ich kein englisch. Hoffe aber, dass ich unten richtig anklicke. Beim n√§chste Cover denke ich an dich. Vielleicht treffen wir uns mal auf einer Buchmesse. Liebe Gr√ľ√üe Vero KAa meine HP. http://www.vero-kaa.de

  5. Alice 22. Oktober 2018 um 13:53 Uhr - Antworten

    Ich kenne diese M√ľdigkeit sehr gut. Dass deine √Ąrztin dir nur Antidepressiva verschrieben hat ohne Therapie verstehe ich nicht. F√ľr mich klingt deine Beschreibung allerdings als sei deine Schilddr√ľse nicht richtig eingestellt. W√§re ich nicht zum Endokrinologen gegangen, w√ľsste ich immer noch nicht, dass meine M√ľdigkeit und Gewichtszunahne von Hashimoto und einer Insulinresitenz kommt (meine Blutzckerwerte sind trotzdem topp). Hausarzt hat alles auf Psyche geschoben. Ja, ich habe psychische Probleme, aber diese unnormale M√ľdigkeit war physisch bedingt. Leider kennen sich viele Haus√§rzte damit nicht aus.

  6. Lisa 23. Oktober 2018 um 12:00 Uhr - Antworten

    Hallo liebe Casandra
    ich bewundere deinen Mut, dass du so offen deine Lage beschreibst und f√ľr alle √∂ffentlich zug√§nglich machst. Respekt! Ich selbst bin Autorin und habe auch √ľber dieses Thema mal ein Buch geschrieben, da in meinem n√§heren Umfeld auch all diese Dinge pr√§sent sind/waren, die du geschrieben hast.
    Ich w√ľnsche dir f√ľr deine Zukunft alles erdenklich Gute und denke, du bist auf einem guten Weg, dass du dein Leben so gestalten wirst, wie du es dir erhoffst.
    Herzliche Gr√ľ√üe
    Lisa

  7. Renate 13. Dezember 2018 um 21:35 Uhr - Antworten

    Liebe Casandra,
    auch auf die Gefahr hin, dass du das hier vielleicht nicht h√∂ren (oder lesen) magst: Hast du dir schon einmal √ľberlegt, psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen? Manchmal reichen Antidepressiva nicht!
    Unter https://psych-info.de oder http://www.psychotherapiesuche.de kannst du Psychotherapeuten in deiner N√§he finden (unter letzterer Adresse auch allgemein Infos √ľber Psychotherapie).
    Leider haben Therapeuten mit Kassenzulassung h√§ufig Wartezeiten. Aber es gibt jetzt die Terminservicestellen (https://www.kvsh.de/KVSH/index.php?StoryID=985) √ľber die man innerhalb von 4 Wochen einen Termin bei einem Psychotherapeuten bekommen soll. Das hei√üt nicht, dass man dann auch einen Therapieplatz hat, aber immerhin einen Termin in der Sprechstunde eines Psychotherapeuten, der dann abkl√§ren kann, welche Art Hilfe √ľberhaupt sinnvoll w√§re.

    Aber auch Alices Hinweis auf k√∂rperliche Ursachen (Schilddr√ľse, Hormone) ist wichtig. Es ist erstaunlich, was Hormone f√ľr Auswirkungen haben k√∂nnen! Und oft l√§uft bei Haus√§rzten nur 08/15! Leider muss man Heilpraktiker, die da genauer hinschauen, selber zahlen.

    Ich bin √ľber youtube auf deine Homepage aufmerksam geworden und bin sehr beeindruckt von deinem kreativen Talent! Ich w√ľnsche dir alles Gute auf deinem Weg!

    LG,
    Renate

    • MsCassyK 21. Dezember 2018 um 23:45 Uhr - Antworten

      Hallo liebe Renate,
      vielen lieben Dank f√ľr den Tipp, ich bin aktuell noch auf der Suche nach einer geeigneten Therapeutin ‚ô•
      Alles Liebe
      Casandra

  8. Anja Kolberg 16. Januar 2019 um 19:34 Uhr - Antworten

    Liebe Casandra,
    eine gro√üe Umarmung f√ľr dich, f√ľr deinen Mut, f√ľr deine Offenheit und Ehrlichkeit. Danke! Danke auch f√ľr den Instagramm-Artikel, so hilfreich. Mir gef√§llt wie selbstbewusst du bist!

    In deinem Bericht habe ich mich an so vielen Stellen wieder gefunden und spontan Lust, dir von meinem Weg zu schreiben. Ist jetzt länger geworden als geplant. Schreibe eben gerne.

    Ich bin auch selbstst√§ndig und kann viel weniger leisten, als ich mein Verstand Ideen hat, hoffe das √§ndert sich jetzt. Ich bin Heilpraktikerin f√ľr Psychotherapie, Betriebswirtin, hochsensibel, kenne Depressionen von mir selbst, habe Hashimoto (entz√ľndliche, chronische Unterfunktion der Schilddr√ľse), Lip√∂dem …

    Viele Jahre habe ich Menschen bei beruflichen Ver√§nderungsprozessen begleitet, zwei B√ľcher dar√ľber geschrieben (K√∂sel/mvg 2001), Workshops und Coachings gegeben. Mit den Jahren rutschte ich immer mehr in Selbstzweifel. 2006 hatte ich keine Kraft mehr f√ľr andere, lies diese Arbeit los.

    Ich begann zu bloggen, fotographierte, gestaltete aus meinen Erfahrungen Ver√§nderungspostkarten und Selbstliebe-Kalender. Schrieb meinen ersten Roman fertig, bekam vom Lieblingsverlag sogar ein Feedback, das ich konstruktiv h√§tte nutzen k√∂nnen, mich aber runterzog und an meiner F√§higkeit zweifeln lies …

    Seit 2006 k√ľmmere ich mich intensiv um meine Seele, versuche zu begreifen warum ich so f√ľhle wie ich f√ľhle. Ich √ľbe, mir zu helfen und mich zu lieben wie ich bin. Mal kommen die depressiven Stimmungen und mal gehen sie. Es ist ein wenig wie ein Tanz.

    Was ich k√ľrzlich loslassen konnte, ist mein √úbergewicht. Ich m√∂chte dir davon berichten, vielleicht macht es dir Mut. Seit meiner Jugendzeit hatte ich mit √úbergewicht zu k√§mpfen. 2001 mit Anfang 30 habe ich aufgeh√∂rt Di√§ten zu machen und mich dem hingegeben, was mein K√∂rper braucht und dem zu Folge an Gewicht kommt.

    Innerlich wusste ich schon lange: Eines Tages fällt das Gewicht von mir ab Рohne zu wissen wie.

    Und dann ist es in Etappen passiert: Seit 2011 habe ich aus Mitgef√ľhl mit den Tieren auf deren Produkte verzichtet, 15 kg verschwanden, ich war runter auf Kleidergr√∂√üe 52/54. Ende 2016 wegen anhaltender Konzentrationsprobleme, Energietiefs, mangelnder Leistungsf√§higkeit plus Sahneh√§ubchen Lip√∂demdiagnose den Kopf einige Zeit auf dem Boden gehabt. Langsam richtete ich mich wieder auf wie eine Pflanze, die endlich Wasser bekommt und ging Schrittchen f√ľr Schrittchen los …

    Habe f√ľr meine Beine mit Walken begonnen (ein Hoch auf die Freiberuflichkeit, ich bin immer los, wenn meine Konzentration nachlies), habe mich naturbelassener ern√§hrt und so im Laufe des Jahres 2017 40 kg verloren. Runter auf Kleidergr√∂√üe 40/42. Nie im Leben h√§tte ich gedacht, dass ICH diese Abnahme schaffe. Die Konzentrationsprobleme sind ganz oft weg. Auch die Energietiefs sind seltener geworden.

    Depressive Stimmungen tauchen immer mal wieder auf. Da gibt es noch einiges zu tun. (Heute war ich z.B. down, so kam ich auch auf deinen Artikel.)

    Ich √ľbe mich jetzt darin, das Vertrauen in meinen K√∂rper und meine Leistungsf√§higkeit zur√ľck zu gewinnen. So sehr hoffe ich mit der zur√ľck gewonnenen Kraft einen Neuanfang zu schaffen. Da wartet ein Trauerbew√§ltigungsbuch √ľber den Verlust unserer geliebten H√ľndin auf Fertigstellung, der Roman m√ľsste nach 12 Jahren Liegezeit reif f√ľr die √úberarbeitung sein. (Die Frage: Bin ich es jetzt?) Die Geschichte meiner Gro√ümutter und ihrer Familie recherchiere ich seit 2006.

    Mir wird durch das Aufschreiben gerade deutlich wie viel es seit 2006 ums Schreiben ging. Ich dachte immer: Wenn es mir besser geht, beginne ich wieder zu coachen. Aber vielleicht geht es darum, zu schreiben. Und nicht nur f√ľr den Blog, sondern wahrhaftig f√ľr ein eigenes Buch. Mal sehen, was sein soll. Das hat mir jetzt gut getan. Danke! Mal wieder ein Beispiel daf√ľr wie heilsam schreiben ist!

    Was mir wichtig ist: Mit meinem Abnahmeerfolg will ich nicht sagen, dass wir nur in Ordnung sind, wenn wir irgend ein bestimmtes Gewicht oder Kleidergröße xy haben. Im Gegenteil: Wir sind zu jederzeit völlig richtig Рund wunderschön! Ich habe mich auch mit Gr. 56/58 geliebt. Ich möchte mit meinem Schreiben zeigen, dass du nicht alleine bist und dir Mut machen, weil ich weiß wie gut mir das immer tut.

    Bei dir ist so viel Fr√∂hlichkeit, so viel Farbe und Liebe in deinen Covern und wie du dich zeigst. Wo viel Licht ist, darf auch Schatten sien. F√ľhl dich einfach geherzt und best√§rkt und befl√ľgelt! Ich finde enorm, wie du es schaffst, selbst f√ľr dich zu sorgen!

    Von einer die das Leiden kennt, den Kopf manchmal hängen lässt und ihn dann wieder oben trägt
    Anja

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